Das künstlerische Konzept

habe ich entsprechend meiner Lebenseinstellung entwickelt. Ich bin davon überzeugt, dass es für Menschen sehr wichtig ist, immer wieder dem eigenen Erleben im eigenen Inneren nachzuspüren, so wie es beim Einlassen auf Schaffensprozesse und Kunstwerke möglich ist: Wichtig um das Leben zu spüren, wie es über Vegetieren und Funktionieren hinausgeht, Freude macht, und sich für sich selbst lohnt. Ich denke, dass wir Leben nur bewahren können, wenn wir achtsam genießen, statt zu erzwingen versuchen, - wenn wir Ungeplantes, Unregelmäßiges (Kinder, Fehler, Fliehende, Probleme, Erkrankungen, Abweichungen…) integrieren, statt auszusortieren.

 

Meine künstlerische Herangehensweise definiert sich durch ein Arbeiten in eben dieser achtsamen inneren Haltung und den Arbeitsprozess, den ich daraus entwickelt habe.

Bei alltäglichem Erleben der Welt finde ich Beachtenswertes: Musik, Begegnungen, Geschichten, Figuren, Gegenstände, Räume oder Situationen und begebe mich an das Ins-Bild-Fassen. Ich schaue, überlege, spüre, höre und suche die ersten Farben, Werkzeuge und den Malgrund aus. - Auf diesem entstehen Farbformen, Linien und Strukturen, entsprechend meiner Komposition, und es passieren Fehler. - Wie andere Künstler den Zufall absichtlich herbeiführen, arbeite ich mit diesen Spuren auch des Unbeabsichtigten, nehme diese ebenso an, wie das wie geplant Geglückte. Ich schaue mir das Bild in jeder Entwicklungsphase ausführlich an und sehe, was so wie es jetzt ist sichtbar sein soll und was noch Veränderung braucht. Es überlagern sich schließlich viele Schichten, so dass die fertigen Werke dann eine Geschichte von Unzulänglichkeiten und Ausgleich, von Störung, Zerstörung und Reparatur, Wunde und Heilung in sich tragen. Das an der Oberfläche deutlich sichtbare, und auch das Übermalte, hat eine willkommene Wirkung im Bildausdruck, also eine Existenzberechtigung.

Damit bekommt auch das zunächst Unbeabsichtigte selbst eine Daseinsberechtigung. Mit eben diesem Vorgang spreche ich mich für das Lebendige aus, das mit individuellen Unterschieden wertvoll ist. Es entsteht ein Bild mit lebendiger Ausgewogenheit, die das Leben in seiner Vielfalt widerspiegelt und würdigt.

Auch die handwerkliche Technik passe ich den Themen an. Mit dem Rakel oder Spachtel (nicht zu klein) arbeite ich z.B. sehr gerne – die Musik von Stockhausens Tierkreiszeichen ließ sich so mit fast unvermischten Farben sehr passend ins Bild setzen. – Die Stimmung von Spohrs Ouvertüre zur Prüfung verlangte nach zarten Schwüngen mit dem Haarpinsel, fein ausgearbeiteten Figuren und auch einer ganz anderen Farbgebung.

Ich mache durchdachte Kunst, - der Weg des Verstehens aber geht über die aufmerksame Wahrnehmung. Dieses Verstehen ist sehr viel umfassender, als in Worten formuliert werden kann. Die Bildaussage können BetrachterInnen in der Wirkung finden, die das Bild auf sie hat. – Die Wahrnehmungen und Resonanzen sind individuell: eigene Fragen und Überzeugungen können bewegt werden, eigene Antworten erwogen.  Wir erkennen ja meistens was, wenn wir etwas anschauen, das passiert einfach – unser Körper ist so eingerichtet, weil wir Orientierung brauchen – und es ist gut, dass es bei der Bildbetrachtung Freude bereitet. Mit der Bildaussage zu tun hat meist weniger, was oder ob  überhaupt etwas Gegenständliches erkannt wird, als vielmehr, ob dieses Wesen z.B. wegläuft, schnurrt, bedrohlich auf mich zu kommt oder mich gar nicht beachtend majestätisch seinen Weg geht. Oder: Ob, wenn da ein Fenster zu erkennen ist, dies eher einer Schießscharte gleicht, oder den Blick frei gibt auf eine Hoffnung gebende Weite. Wenn vor den Bildern unter aufmerksam verweilenden BetrachterInnen Gespräche entstehen über die individuellen Sichtweisen, bin ich immer wieder erstaunt und erfreut, mit wie vielen unterschiedlichen Geschichten die Grundaussage des Bildes erzählt werden kann. – aus wie unterschiedlichen Assoziationen heraus sich eine im Wesentlichen übereinstimmende Folgerung ergibt. Gleichzeitig mit den Unterschieden tritt das Verbindende, Gemeinsame in solchen Gesprächen hervor. In den letzten Jahren habe ich Bilder zu den Themen Musik, Alltag und Ausblicke entstehen lassen. Einige Zeit arbeitete ich in experimentierender Zusammenarbeit mit Musikern, an der malerischen Umsetzung von Musik und dem Ausloten von Musik in Bildern. Es geht mir um das In-Bild-Fassen des Wesens der Musik, über Rhythmus, Struktur und Klangfarbe hinaus. Musik erzeugt einen Eindruck, sie hinterlässt Spuren. - In diesem Raum entstehen meine Bilder.  Das gemeinsame Schaffen mit den Musikern hat sich seit dem Konzert in der Kunstwerkstatt im September 2013 und der Ausstellung weiter entwickelt, musikalische Kompositionen und Malerei sind durch gegenseitige Anregung entstanden und gewachsen. Farbformen und Klang ergänzen sich nicht nur auf ideale Weise, Bilder und Musik sind ineinander enthalten; wobei auch jedes für sich als ein vollständiges, verstehbares Werk aus dem gemeinsamen Schaffensprozess hervorgegangen ist. Einige dieser Bilder waren in der Ausstellung im kasseler Rathaus zu sehen.